Kolumne 24

von Matthias Kayser

Das arabische Prinzip – ein Haufen
Kameldung auf die Ellenbogenmentalität!

Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einer Frau über mein Auftrittskonzept „Erotisches Kabarett und Lesung“, weil wir einen Auftritt in ihrem Wohnort planen.

Als sie mich fragte, wie ich es mit der Gage mache, antwortete ich, dass ich es bevorzuge, keinen Eintritt zu nehmen – dafür geht am Schluss der „Spendenhut“ um. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass die Zuschauer genauso viel geben, als wenn ich Eintritt nehmen würde (in der Regel 5 – 6 Euro), und obendrein mehr Bücher kaufen.

Also bekomme ich schon die „Gage“, die ich mir erhoffe. Sie fand das sehr bemerkenswert und erzählte mir daraufhin von den Geschäftsgepflogenheiten ihres arabischen Mannes. Im Orient würden bei Handeln keine festen Preise gemacht, sondern der Verkäufer fragt den Interessenten, was ihm die Ware wert sei. Und auch dort würde keiner den anderen übervorteilen.
Man zeigt also sehr unmittelbar die Wertschätzung sowohl der Ware als auch seinem Geschäftspartner.

Das brachte mich auf einen unorthodoxen, aber dennoch passenden Vergleich: Sollte nicht genauso eine Partnerschaft geprägt sein? Indem man in liebevoller Aufmerksamkeit dem anderen seine Wertschätzung auf freigebige Weise zeigt, und ihm dadurch bedeutet, wie wichtig er oder sie einem ist?

Leider klaffen da Wunsch und Wirklichkeit oft weit auseinander! In der heutigen, von übersteigertem Egoismus und „Geiz-ist-geil! – Auch in der Partnerschaft!“ geprägten Zeit achten viel zu viele darauf, mit möglichst wenig Einsatz eine Maximum-„Bespaßung“ zu bekommen.
Das diese Einstellung über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt ist, trifft es die obengenannten dann auch noch mit unerwarteter Wucht, wenn sie verlassen werden. Man kann sich sicher sein, dass diejenigen auch noch denken „Ich bin mir keiner Schuld bewusst!“ und „Ich bin der Meinung, ich habe immer alles richtig gemacht.“
JAWOLL! Das Luftholen für ein klärendes Wort kann man sich sparen ...

Sowohl eine schöne Liebesbeziehung als auch lustvoller, hemmungsloser Sex können doch letztendlich nur aus einem Gleichgewicht aus Geben und Nehmen existieren.
Die „Supermarktselbstbedienungsmentalität“ wird immer scheitern und Mal für Mal mehr und tiefere Kratzer in den Seelen hinterlassen.

Hiermit plädiere ich also wieder einmal für mehr Aufmerksamkeit und Herzlichkeit. Es ist zwar bald wieder Weihnachten, aber der Wunsch nach der „eierlegenden Wollmilchsau“ wird auch in diesem und allen darauffolgenden Jahren ein unerfüllter bleiben!

Und auch, wenn wir uns aufgrund der Megalomanie unserer dummdreisten Politiker und skrupellosen Wirtschaftsbosse mitten in der Rutschfahrt in die nächste Rezession befinden, so rufe ich dazu auf, Menschlichkeit, Aufmerksamkeit und gegenseitige Wertschätzung zumindest im unmittelbaren Umfeld zu praktizieren!

Vielen Dank fürs Lesen der diesmal etwas ernsteren Kolumne,
 

Ihr
Matthias Kayser