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Suicide Chronicles
Hey! Wer immer das jetzt liest wird wohl mächtig geschockt sein. Ich meine, Du hast hier einen Abschiedsbrief in den Händen, folglich wirst Du auch über meine sterblichen Überreste gestolpert sein. Verdammt, ich hoffe, Du hast mich frühzeitig gefunden. Ich meine, wir sind hier in Miami, Du verstehst!? Wobei ich wirklich lange überlegt habe, welche Methode ich wählen sollte, aber für einen stillen Abgang a la Pillen bin ich einfach nicht prädestiniert. Also nochmal, sorry für die Sauerei hier, und ich hoffe wirklich, dass ich nicht schon allzulange hier rumliege, und Du keinen nervösen Magen hast. In anderen Worten: Wenn ich Du wäre, dann wäre ich jetzt doch lieber ich!
Zum ersten Mal seit Monaten huscht Pete ein Schmunzeln über die Lippen...
Okay, nun bist Du neugierig nicht wahr? Klar bist Du das, wäre ich in diesem speziellen Fall sicher auch. Du fragst Dich jetzt sicher, was dieser Scheiss hier soll, oder? Ich hab' das jedenfalls nicht so zum Spass gemacht, das sei Dir versichert.
Pete nimmt einen weiteren Schluck aus der Bourbon-Flasche...
Weisst Du, sicher denkst Du jetzt, ich hätte dringend Hilfe gebraucht, aber tatsächlich schere ich mich einen Dreck um Deine Meinung. Ich habe einfach die Schnauze voll und gebe einen Rattenarsch darauf, wie Du Dich gerade fühlst. Nimm also Deine netten Gedanken, all Deine aufgesetzte Barmherzigkeit und stecke sie Dir tief in Deinen Arsch. Klar, Du siehst mich hier nach Verwesung stinkend in meinem eigenen Saft, aber Du siehst nicht das ganze Bild.
Pete blickt auf, greift nach der Zigarettenschachtel und zündet sich eine Zigarette an. Warmer Rauch durchflutet seine Lungenflügel und für einen kurzen Moment denkt er darüber nach, ob jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Laut lachend schüttelt er den Kopf und schreibt weiter...
Ich war einmal ein richtig cooler Typ, mit einem ordentlichen Job. Naja, ich nannte es Job, tatsächlich war ich bei der Army. Damals in den Neunzigern - Desert Shield - ich war dabei, weil ich dachte, ich müsste etwas Patriotisches für mein Land tun. Du weisst ja, Red, White and Blue, all dieser verfickte Schwachsinn. Nach einem halben Jahr bin ich dann zurück in die Heimat, weil der Doc mich als "psychisch nicht weiter tragbar" abstempelte. Okay, ich habe vielleicht ein paarmal zu viel geballert, aber - hey! - wir sind im Krieg. Was haben die erwartet? Das ich dem Feind vorher einen Brief schreibe? Naja, dann haben die mich aus dem Verein rausgeschmissen. Unehrenhaft.
"Unehrenhaft" flüstert Pete leise, steht auf und geht zu dem kleinen Fenster neben der Dusche. Von draussen ist lautes quietschen von hin und her geschobenen Müllcontainern zu hören. Er öffnet das Fenster und feucht-warme Luft strömt in den Raum. Die Sonne geht gerade auf und blutrot weicht die Nacht dem Tage. Pete schliesst das Fenster, setzt sich wieder auf den Boden, und nimmt den Kugelschreiber...
Vor vier Jahren lernte ich dann meine Frau kennen. Ich hatte mich in ihr verdorbenes Lächeln verliebt, ahnungslos, dass sie nur ein Spiel spielte. Du kennst das ja, ein Lächeln und wir Jungs sind hilflos wie kleine Babys. Naja, was soll ich sagen, sie hatte damit begonnen, sich von mir abzuwenden. Ich weiss noch als sie sich mit diesem verfickten Krawatten-Typen traf. Er soll Investmentberater oder so'n Scheiss gewesen sein. Investment, dass ich nicht lache - wir hatten nicht einen Penny, der es Wert war, auch nur in irgendetwas investiert zu werden. Ich stellte sie zur Rede, doch alles, was sie erwiderte waren Beschimpfungen, von wegen, ich sei zu jähzornig, zu gewalttätig und all so'n Schwachsinn. Hey! Ich liebte sie und wollte immer nur ihr Bestes, das kannst Du mir glauben!
Pete blickt auf und bemerkt erst jetzt die kleinen roten Spritzer auf den Wandfliesen, die in bizarren Mustern an der Badezimmerwand zusammenlaufen. Sein Blick wandert, der Spur folgend, zum Boden. Im fahlen Licht entdeckt er seine Frau, die ihn aus leblosen Augen anzustarren scheint. Er beginnt zu weinen, beruhigt sich aber mit einem weiteren Schluck Whiskey...
Okay, lass uns jetzt 'mal zum Ende kommen, das Papier ist sowieso gleich alle. Ich meine, Du siehst ja selbst, was ich hier für 'nen Schlamassel habe. Hmm, was soll ich ich jetzt noch schreiben? Ich meine, "see you" wäre nun doch etwas sonderbar. Wie wärs einfach mit "bye"? Nicht gut? Verdammt, soll mein Vorhaben nun an diesem Hirnfick scheitern? Weisst Du was? Ich hab's, ja wirklich! Also, war nett mit Dir und danke schonmal für's Zeit nehmen. Thanks for coming up to fuck up my day, Pete
Mit zitternden Händen nimmt Pete den Revolver von der Klobrille und zieht langsam den Hahn nach hinten, bis ein leises Klicken zu hören ist. Schweissperlen tropfen von seiner Stirn, während er den Lauf in seinen Mund schiebt. Seine Knöchel treten weiss hervor, nur noch wenige Sekunden, dann ist es soweit...
"Good Morning Miami! Es ist 7.30 Uhr und die Sonne geht gerade auf. Wir haben wundervolle 84°F und es verspricht, ein weiterer heisser Tag zu werden." Pete Wilson blinzelt in die Leuchtbuchstaben des Radioweckers, während der Radiomoderator versucht, typisches Gute-Laune-Feeling zu verbreiten. Schweigend setzt sich Pete auf die Bettkante und öffnet seine Kommode, im Radio wird das Lied "Cherry Pink And Apple Blossom White" von Perez Prado angestimmt.
Mit langsamen Schritten geht er in das Badezimmer, aus dem er die Geräusche einer laufenden Dusche hört.
In seiner Hand eine achtunddreissiger Smith & Wesson...
Copyright © 2008 Bob Michaels
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Scum Thoughts
Unbeindruckt, und doch voller Ehrfurcht, Heiliger und Hurenbock. Selbstbewusst und voller Angst, zögerlich und unnachgiebig. Denken wird überbewertet, lass uns lieber noch einen trinken gehen. Sieh mich an, ich bin Dreck.
Tattoos und Buisness-Anzug. So verdammt hässlich und so verdammt süss. Wohlerzogen und ein Tier. Ich brauche deine Liebe, also verpiss Dich. Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber ich will nicht sterben. Und wenn ich jetzt aufhören würde zu lügen, wärest du doch nur enttäuscht, nicht wahr?
Und deswegen schreibe ich das nächste Gedicht, lese es Mittwoch korrektur, suche am Donnerstag einen Verlag, und kaufe mir am Samstag eine coole Yacht.
Ein abgefucktes Liebesgedicht - glaubst Du den Scheiss? Wie aufrichtig. Wie süss. So voller Gefühl. Ach komm, überbewerte das doch nicht. Dein Herz klopft, während ich Geldscheine zähle. Du denkst voller Gefühl an mich, doch ich ziehe eine Line feinstes Koks.
Auf der Straße verkauft man Spiegel und die Rasierklingen dazu. Ich bete zu Gott, dass du schläfst, wenn ich nachhause komme.
Ich bin Abschaum, ich bin Dreck...
Copyright © 2008 Bob Michaels
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Rosentot
Leises, fröhliches Summen und geklapper von Porzellan ist aus der Küche zu hören. Rose bereitet das Frühstück zu und füllt liebevoll Honig und verschiedene Konfitüren in kleine Glas-Schälchen. Betörender Duft von frisch gebrühtem Kaffee und warmen Croissants zieht durch das kleine Haus.
Ein Stockwerk weiter oben liege ich ruhig und bewegungslos in meinem Bett, während Rose vorsichtig die knarrenden Stufen herauf läuft. Mit einem kleinen Tablett, beladen mit allerlei Köstlichkeiten, steht sie in der Tür und lächelt mich mit strahlenden Augen an. Eine einzelne Rose steckt in einer kleinen Vase. Sie hatte sie heute Morgen kurz nach Sonnenaufgang extra für mich von dem grossen Rosenbusch auf der Veranda abgeschnitten. Morgentau glitzert wie Elfenstaub auf den feinen Blütenblättern.
Leise kommt sie näher, während ich noch immer still auf dem Bett liege. Das Geschirr klappert leise, als sie das Tablett auf der kleinen Kommode, rechts neben meinem Kopf abstellt. Zärtlich küsst sie meine Stirn, meine Wangen, meinen Hals. Sie blickt mich an und zieht langsam die Bettdecke herunter. Mit ihrer Zungenspitze gleitet sie langsam über meinen Brustkorb und hinterlässt kleine feuchte Bahnen von Speichel auf meiner Haut. Ihre Lippen umschliessen mich saugend, leidenschaftlich. Fingerspitzen krallen sich lustvoll in meinen Körper, während sich Rose an mir reibt. Doch all ihre Mühe ist vergebens - ich reagiere nicht und liege einfach nur schweigend auf dem weissen Laken.
Beleidigt, zieht Rose die Decke wieder nach oben. Mit einem fast schon verächtlichen, trotzigen Blick mustert sie mich, während sie versucht, mir den frischen Croissant mit süsser Erbeermarmelade in den Mund zu schieben.
Ach Rose, geliebte Rose, wann wirst Du begreifen, dass ich tot bin?
Copyright © 2008 Bob Michaels
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Paradise by the Dashboard Light
"Though it's cold and lonely in the deep dark night, I can see paradise by the dashboard light"... Meat Loaf krächzt seinen Gassenhauer aus dem Lautsprecher, während ich auf dieser abgefuckten Landstrasse unterwegs bin. Der 350 Cubic Inch V8 röhrt laut und dieser verdammte Mond kriecht blutrot über das dunkle Firmament. Okay, die Kleine war süss, und hätte sie sich nicht so bescheuert angestellt, wäre das noch ein verdammt netter Abend gewesen. Ich greife zur Whiskeyflasche und nehme einen Schluck. Der Alkohol brennt auf meinen Lippen. Ich drehe den Innenspiegel zu mir. "Alter, Du hast schon besser ausgesehen" schiesst es mir durch den Kopf, während ich die aufgeplatzten Lippen und Kratzer in meinem Gesicht begutachte.
"Baby doncha hear my heart you got it drowning out the radio, I've been waiting so long for you to come along and have some fun", ich drehe das Radio lauter und wippe mit dem Kopf fröhlich im Takt.Ja, hätte echt nett werden können, aber diese blöde Sau musste sich ja wehren. "I gotta know right now! Do you love me? Will you love me forever? Do you need me? Will you never leave me? Will you make me so happy for the rest of my life? Ich grinse bei dieser Strophe. Der Lake Michigan ist ja nur noch ein paar Meilen weg. "Though it's cold and lonely in the deep dark night, I can see paradise by the dashboard light"...
Die Kleine wird mir fehlen...
Copyright © 2008 Bob Michaels
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Goodbye, G-Bay
"Sir?", ich hörte die Stimme meiner Sekretärin am anderen Ende der Leitung. "Nicht jetzt!" zischte ich zurück und fuhr fort "...sie wissen, dass ich momentan nicht erreichbar bin!". Langsam klappte ich mein Handy wieder zu und blickte auf.
Da lag sie, diese atemberaubende Schönheit. Ihr langes schwarzes Haar legte sich geschmeidig auf ihre samtweiche Haut. Wie alt sie wohl sein mag? 20, vielleicht 25? Kastanienbraune Augen sahen mich ein wenig ängstlich an. "Keine Angst" entfuhr es meinen dünnen Lippen. Ich wusste, dass sie mich nicht verstand, und so versuchte ich es mit einem Lächeln. Langsam näherte ich mich der Kleinen, und zog ihren Kopf zu meinen Lenden. Sie wusste was zu tun war. Ich schloss die Augen. Sie war gut, verdammt gut. Verdammte Hure.
Mit gekonten Fingern massierte sie meine Rosette, drang ein, während sie mich auszusaugen schien. Ich kam und ergoss mich in ihren Mund, so, wie ich es schon seit Wochen mache. Diese kleine Hure verstand ihr Handwerk, oder soll ich sagen, Mundwerk. Ich lachte über meinen eigenen Humor. Wie immer.
Langsam ging ich durch die leeren Gänge und rückte meine Krawatte gerade, schliesslich war ich ja beruflich hier. Links und rechts von mir diese Typen von Homeland Security. Als ob sich einer der Insassen hier an mich herantrauen würde. Dunkle Augen, die mich aus orangefarbenen Overalls anstarrten, schienen meinen Weg zur Röntgenstation zu verfolgen. Röntgenstation, ja, eine weitere Sicherheitsmassnahme, man kann ja nie wissen, was hier, vor allem auf welchem Weg, geschmuggelt werden könnte.
Ich legte mich auf diesen kalten Tisch und der Röntgenapparat surrte an mir herab. "Sir?" ich blickte den diensthabenden Arzt an, "Sir, mit verlaub, sie haben etwas in Ihrem Anus..." Ich erschrak... verdammte Hure. Was hat sie mir da reingestec...
Eine Explosion erschütterte Guantanamo Bay.
Epilogue: It wasn't my intention to lash anybody outta there. This ist just a short story, to impreach the circumstances at G.Bay and to protect my freedom of speech. See also: "Bill of Rights: The Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof; or abridging the freedom of speech, or of the press; or the right of the people peaceably to assemble, and to petition the Government for a redress of grievances." Thank you for your patience. I appreciate.
Copyright © 2008 Bob Michaels
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Blind
Ich hab 'nen Kurs in so 'ner abgefuckten Hallelujah-Sache belegt. Scheisse, ich war frustiert, also was zur Hölle sollte ich sonst tun. Aus lauter Trübsinn bin ich sogar in 'ne Abendschule gegangen. Ich hab' einiges von diesen selbsternannten Weltverbesserern angehört, verdammt, habe den Lehrstoff eingesogen, wie ein trockener Schwamm.
Diese Grosskotze erzählten mir doch allen Ernstes, das Ganze würde mich wieder runter bringen, aber nichts schien meine Verwirrung zu lindern. Nichts davon.
Thanks God, das alles liegt ja schon 'ne ganze Weile zurück. Und so, wie ein Hindernis die Kette eines Panzers blockiert, so wiederfuhr mir dasselbe in Form eines großen Whiskeyglases.
Ich war ein alter Schurke, der es liebte seinem eigenen Arsch hinterher zu rennen. Planlos und ohne Ziel. Natürlich hatte ich 'n paar Liebhaberinnen auf meiner Reise der Freuden. Ich habe mir genommen ohne zu geben.
Ich war ein Ekel, und die Leute sahen mich lieber von hinten, denn von vorn. Ich habe sie beschissen, jeden Einzelnen. Saugte die Leute aus, wie Bienen, die auf einer Frühlingswiese über die Blumen herfallen, um den Nektar zu sammeln.
Ständig auf der Suche nach mir selbst. Und der Schmerz hörte nicht auf. Mein gesamtes Firmament hatte sich als Erdrutsch erwiesen. Ich wollte dem Ganzen ein Ende bereiten. Hier und jetzt.
Es war scheisse kalt da draussen, in jener Nacht. Die Dunkelheit tat gut und ich zog nocheinmal an meiner Zigarette. Es sollte mein letzter Zug sein. Doch dann spürte ich eine kalte Hand auf meiner Schulter. Ein blinder Mann, Fuck! Ja, ein blinder Mann, der die Nacht zum Tag wandeln konnte.
Ich bekam Panik. Wie sollte ich ihm erklären, was in mir vorging? Doch er unterbrach meine hämmernden Gedanken: "Die Sonne scheint jeden Tag, auch wenn es dunkel ist, es besteht kein Zweifel darin."
Tränen liefen mir über die Wangen. Ich sah das Licht.
Es war der entgegenkommende Bus...
Copyright © 2008 Bob Michaels
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Unbekannt
Es war einer dieser Abende, an denen man ziel- und planlos von Bar zu Bar hechtet, aus Angst,man könnte etwas verpassen. Die Neonreklamen der 5th Avenue spiegelten sich auf dem nassen Asphalt,Menschenmassen drängen sich duch die Strassen. Ich stand vor dieser Bar in irgendeiner abgefuckten Seitengasse. Der Türsteher, der ohne weiteres bei einem Casting für die Fortsetzung vom "Incredible Hulk" hätte mitmachen können, nahm dankend mein Schmiergeld an, und drückte mir einen Stempel auf den Handrücken.
Ich trat ein in diese Bar, die mein Schicksal bestimmen sollte. Mein Blick schweifte durch den von Lichtern bewegten Raum. Schemenhafte Gestalten, tanzend, lachend brannten ein abstraktes Bild auf meine Seele. An beiden Enden der Bühne tanzten junge Mädchen, bewegten sich grazil an den endlos erscheinenden Chromstangen. Ich bestellte einen Beam on the Rocks und beobachtet fasziniert das Treiben um mich herum, als ich plötzlich einen Schlag verspührte. Mir wurde wirr, meine Augenlieder zitterten, ich begann zu taumeln und das bizarre Spiel nahm seinen Lauf.
Keine Ahnung, wie spät es war, als ich aufwachte. Mein Kopf schmerzte, ich wollte schreien, doch ich spürte diesen Knebel in meinem Mund, der mich davon abhielt. Ich sortierte meine Gedanken, was war nur geschehen, warum ich? Ich war gefesselt, eine Kette spannte sich um meinen Körper, quer über die Brust zu den Handgelenken, von dort aus zwischen meinen Beinen hindurch. Meine Hose war aufgerissen. Plötzlich hörte ich wie eine Tür geöffnet wurde. Nein, nicht wie eine normale Tür, eher wie die eines... Kühlschranks. Licht durchfloss den engen Raum, und ich begriff. Ich lag gefesselt auf einer Bahre, die sogleich herausgezogen wurde. Ein Mann in einem weissen Mantel legte seine Hand auf meinen Körper, sie fühlte sich ungewöhnlich warm an. Ich hörte Stimmen.
"Name?" - "Unbekannt"..."Alter?" - "Um die Vierzig". "Todesursache?" - "Sir?" - "Ach Scheisse, schreiben sie Mord, Unfall oder Selbstmord, ich hab Feierabend".
Die Tür wurde wieder geschlossen...
Copyright © 2008 Bob Michaels
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Lawnmover Murder
Tag Eins.
Philipp Manson kam schon wieder zu spät, und er wusste, seine Kollegen vom zweiten Revier würden sich wieder beim Sergeant beschweren. Schon alleine wegen seinem Nachnamen musste er schon so einiges ertragen.
Fuck off, dachte er sich, und nahm eine Zigarette aus einer herumliegenden Zigarettenschachtel. Sein Blick schweifte durch den Raum, der von der Morgensonne durchflutet, fast schon etwas steril wirkte. Nur ein blutverschmiertes Spielzeugauto wies auf ein brutal ausgeführtes Verbrechen hin. Es war ungewöhnlich warm an diesem Dezembermorgen, und der Weihnachtsstern auf dem Fensterbrett welkte schon.
Langsam ging Phil, wie in seine Kollegen nannten, zu Sven Henderson, einem der Gerichtsmediziner herüber. Sven war, wie der Name bereits vermuten lässt, schwedischer Abstammung, wuchs aber zusammen mit Phil in der Nähe der Madison Avenue auf. "Scheiss Geschichte, hmm?" murmelte Phil zu Sven, der langsam die abgetrockneten Blutreste vom Teppichboden abschabte. Sven blickte auf, "definieren wir es mal so, einen Schal muss man den Opfern nicht mehr stricken". Phil würgte. Verdammtes Pathologen-Gesockse, ihm war nicht zu lachen. "Wo sind die Opfer?" zischte Phil. Sven zuckte mit den Schultern. "Okay, ich geh in's Office", verabschiedete sich Phil mit einem kurzen Schlag auf Sven's Schultern, "melde Dich, wenn Du was weisst".
Tag Zwei.
Es war 7.20 Uhr, grellrot leuchteten die Neonziffern des Radioweckers, als Philipp Manson aufwachte. "Thunderstruck" von AC/DC war laut aus dem Lautsprecher zu hören. Er war hellwach. Irgendetwas musste er gestern übersehen haben. Sein Handy klingelte. "Yip?"..."Phil, das musst Du Dir ansehen, komm zum Tatort. Jetzt!" Es war Sven, dessen fehlende Heiterkeit ihm nun doch etwas Sorgen bereitete. Also setzte er sich in seinen alten Ford Cougar und fuhr los. Schöne Gegend, dachte er sich, als er aus dem Wagen stieg. Sven winkte ihn in die Garage.
Langsam lief Phil zu Sven, der leicht gebeugt, mit einem weissen Overall und Skibrille bekleidet, über einen grossen Rasenmäher hantierte. "Wuz up?" fragte er, doch dann sah er es...
Fein gehacktes Fleisch klebte an den scharfen Schnittkanten der Messer. Aufgrund der für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Wärme schlängelten sich kleine Maden durch die Fasern. Ein bizarres Bild, vergleichbar mit in sich lebendem Sushi. Phil konnte sich nicht mehr beherrschen, und tat, was unausweichlich war. Er übergab sich. "Verdammt, wer zur Hölle ist zu so einer Tat fähig?", blickte er seine Kollegen mit fragenden Augen an. Keiner wagte es zu antworten. Plötzlich und unvermittelt hörten sie, wie eine Waschmaschine begann, den Schleudergang auszuführen.
Phil, Sven, und zwei weitere Cops stürzten die Kellertreppe hinunter, aus der sie das Geräusch vernahmen. Beinahe stolperten sie übereinander, während sie in die Waschküche hechteten. Ein Schrei. Vor ihnen eine sichtlich erschrockene Lady, etwa 35 Jahre alt, Hispanic, die damit beschäftigt war, schmutzige Wäsche zu sortieren. Phil zog seine Dienstwaffe, eine 38er Special und umklammerte den Griff mit verkrampften Fingern. "Hablo inglese?" schrie er die Senorina in gebrochenem spanisch an. Sie nickte, noch immer mit angsterfüllten Augen. "Okay, Lady, was tun sie hier, wer sind sie?", Phil wurde ruhiger. "Muss Wäsche waschen. Familie in Urlaub. Meine Sohn hat..." sie began zu weinen. "WAS?", entgegnete Phil, "WAS hat Ihr Sohn?". "Meine Sohn wollen spielen, hatten gesessen auf grosse Rasenmäher und gefahren über Katze"
... schweigen ...
Phil blickte Sven böse an. "Habt Ihr die DNA der Proben von Gestern nicht untersucht?"
... schweigen ...
"Leute, wenn diese Story an die Öffentlichkeit gerät, wisst Ihr, was dann passiert?" Phil war sich der Tragweite seiner Frage bewussst und fuhr fort "Wir alle können dann in Zukunft Kokosnüsse an einem verfickten Palmenstrand pflücken"... alle nickten.
Phil richtete die Waffe auf die Lady und blickte sie kalt an. "Sorry, Senorina, schuldig im Sinne der Anklage..."
Ein Schuss war über der beschaulichen Wohngegend zu hören...
Copyright © 2008 Bob Michaels
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Zungenspiel
Da lag sie nun vor mir. Wie sehr sehnte ich mich nach diesem Augenblick. Ich musterte sie von oben bis unten, konnte jede ihrer Fasern entdecken.
Vorsichtig näherte ich mich ihr, beschnupperte sie. Ja, ich wollte sie geniessen, hier und jetzt.
Sanft, fast bedächtig, strich ich mit der Zungenspitze über die kleine Öffnung.
Ihr Aroma verzauberte mich, erregte mich und raubte mir die Sinne. Voller Leidenschaft drang ich mit der Zunge in sie ein, leckte sie aus und nahm ihren Geschmack, voller Honigsüsse, in mir auf.
Einen Moment noch kostete ich dieses Gefühl des puren Genusses aus, dann nahm ich sie in den Mund, und schluckte sie herunter.
Ich glaube, morgen werde ich mir wieder eine Milchschnitte kaufen...
Copyright © 2008 Bob Michaels
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Wir danken Bob Michaels für die Genehmigung zur Veröffentlichung seiner Geschichten. Weitere Geschichten auf www.blutwerk.net
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