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Das Goldene Zepter und der heilige Gral - die ewigen Antagonisten
Genau wie in meiner allerersten Kolumne auf dieser wunderschönen Internetseite möchte ich mich mal wieder den großen Missverständnissen dieser Welt widmen. Genauer gesagt, Fehl- oder Überbewertungen.
Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Fast alle Männer (und auch einige Frauen) verleihen dem Schwanz und seiner Funktion eine viel zu große Bedeutung. Und ebenso ist den meisten Männern (und auch einigen Frauen) das Delta zwischen den Beinen immer noch ein genauso großes Mysterium wie der heilige Gral aus der Artus-Sage.
Da wachsen die Menschen heran, müssen sich größtenteils zwielichtigen Erziehungsversuchen entgegen-stemmen (oder auch nicht, falls sie sich ihnen kritiklos unterwerfen ...), und stolpern schlussendlich in die Welt der Beziehungen und damit verbundenen Fortpflanzungsrituale.
Wie schön unkompliziert war das damals noch für die Neandertaler: Man traf sich für ein paar zittrige Hübe zum Zeugungsakt und hoffte auf den fruchtbaren Erfolg desselben. Mit Spaß und Vergnügen hatte das erstmal rein gar nichts zu tun. Erst viel später kamen die Genusskomponenten hinzu, jedoch damit auch die Komplikationen. Sieben hastige Stöße (ist statistisch ermittelt!) reichten den Frauen nicht mehr aus. Auch sie wollten auf ihre Kosten, bzw. zu ihrem Vergnügen kommen. Damit nahm das Drama seinen Anfang. Teils aus Egoismus, teils aus Interessenlosigkeit, zu größeren Teilen aus anatomischer Unkenntnis, zu allerletzt aber aufgrund der zahllosen grottenschlechten Pornofilme, begann die männliche Spezies draufloszuvögeln, bis der Kolben rauchte. Immer vorausgesetzt, man litt nicht unter „Ejaculatio praecox“. Aber wie die Natur es so will, ist nicht jede Frau gleich und findet ihre Erfüllung im presslufthammer-mäßigem Penetrationsbetrieb. Doch auch diese Tatsache hielt die Sexindustrie nicht davon ab, unzählige – zudem meist nutzlose – Mittelchen an den Mann zu bringen, damit sie nicht zu früh erschlafften. So wurde dem Phalluswahn weiter Vorschub geleistet. War es schon schwierig genug, die Männer dazu zu bringen, sich zumindest mit einem Minimum an Vorspiel den Frauen zu widmen (ein bisschen Küssen – ein flüchtiger Griff an die Brust, welche ist egal – jetzt schnell noch ein prüfender Griff), so flashten sie ab einem bestimmten Erregungsgrad und verfielen in Sekunden-schnelle dem Fickfieber. Und wieder wurde die holde Weiblichkeit ums Vergnügen gebracht.
Fingern? Cunnilingus? G-Punkt-Massage? Dildospiele? Ja gern, aber den Höhepunkt sollst du durch mein Zepter bekommen! Das ist das Dogma, welches in den meisten Männern tief verankert ist und ihnen gleichzeitig viel zu viel Stress verursacht. Denn sehen wir den Tatsachen ins Auge: die meisten Frauen sind selbst viel besser in der Lage, sich wirklich zu befriedigen! Nicht umsonst ist das Angebot an Sexspielzeugen so riesig geworden. Auch wenn mittlerweile so fragwürdige Geräte wie der „SYBIAN“ durchs Internet geistern. Doch dazu komme ich im übernächsten Monat.
Für heute schließe ich mit der Aufforderung an die Männerwelt, umzudenken und zu probieren, den weiblichen Orgasmus mit liebevoller Geduld, sowie geschickten Fingern und Zungen auszulösen. Achtet mal darauf, wie sich das auf Euer Stresslevel auswirkt. Keine Gedanken ans „Zufrühkommen“ oder „Durchhaltenmüssen“ ... was für ein Luxus! Die dergestalt befriedigten Damen werden sich bestimmt erkenntlich zeigen ...
Ach übrigens, die Frauen sollten sich nicht zu sehr in Sicherheit wegen! Sie werden diesbezüglich in der nächsten Kolumne ihr Scherflein abbekommen.
Einen sinnlichen Spätsommer wünscht
Ihr Matthias Kayser
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