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Liebe Freunde von Samt und Seide, im Monat Mai möchte ich Euch eine Autorin vorstellen: Christine Sturm (Jahrgang 1963), schreibt vorwiegend erotische Geschichten in ihrem ureigenen Stil, die oft mit einer großen Prise Humor gewürzt sind. Aus dem Heft “Der Tisch” stelle ich Euch zwei Geschichten vor, aus dem Heft “Anonym” das erste Kapitel der gleichnamigen SM-Geschichte. Die zwei Hefte mit Kurzgeschichten sind ab Mitte Mai 2007 über Samt und Seide OnlineShop zu beziehen.
Der Tisch und fünf weitere Kurzgeschichten von Christine Sturm 48 Seiten, 4-farbiger Umschlag, Rückendrahtheftung, Format 12,8 x 19,6 cm 8,95 Euro
Anonym und drei weitere SM-Kurzgeschichten von Christine Sturm 48 Seiten, 4-farbiger Umschlag, Rückendrahtheftung, Format 12,8 x 19,6 cm 8,95 Euro
Corinnas Nebenjob
Corinna war spät dran. Sie hatte verschlafen. Mist. Die Klausur musste sie heute Nachmittag abgeben. Erst mal stellte sie einen Espresso auf. Schnell schlüpfte sie in ein Kleidl und rannte zum Bäcker um die Ecke. Eine Breze und zwei Dosen Red Bull würden ihr jetzt guttun. Und ihren durch die letzte durchgearbeitete Nacht versauten Energiepegel wieder etwas aufpimpen.
Der Bäcker konnte es wieder nicht lassen: „Wann gehst Du endlich mit mir aus, Du Blume Schwabings?" „Träum weiter!"
Der Abgabetermin machte sie nervös. Okokok…keine Panik. Erst mal einen Energieflash und dann eine Zigarette. Die Arbeit, die sie verfasst hatte, war fast perfekt. Hier und da eine kleine Änderung in der Formulierung und den Rest schob sie dem Schicksal zu. Sie war froh, trotz unzähliger nächtlicher Telefonate ein recht passables Ergebnis zustande gebracht zu haben.
Nach zwei Stunden brüllte ihr Magen „Hunger!!!". Ein Blick in den Kühlschrank ließ Corinna fluchen. Dann eben einkaufen. Vor dem riesigen Supermarkt piepte ihr Handy. „Mist, das Diensthandy! Warum hab ich es nicht ausgeschaltet?" Die lange Nacht hatte sie auch diesem Telefon zu verdanken. Es war ihr Job.
„Halloooo...Chantalle hier. Wer ist dran? Bist du heiss auf mich?" Am anderen Ende meldete sich dieser Dämlack mit Sprachfehler: „Thantall? Ich binth. Fickmonthter. Ich hab mich thon authgethogen." „Geil, mein Superstecher. Ist dein Schwanz richtig hart? So wie ich es mag?" „Jaaa…theeer hart. Wath hatht du an? Welche Wäthe trägtht du?"
Warteschleifenknopf. Damit macht man die meiste Kohle. Während der arme Wicht sich Gestöhne vom Band anhörte, ruckelte Corinna einen Einkaufswagen aus der Schlange.
An der Gemüsetheke angelangt, befreite sie ihren Galan aus dem Taxameter. „Ich trage nur einen Slip, hochhackige Schuhe und BH. Alles in sündigem Schwarz. Wie Du es liebst. Komm, lass uns spielen." Sie packte schnell eine Aubergine, Cocktailtomaten, Sellerie, ein paar Zuccinis und ein Bund Petersilie in ihren Wagen.
„Lehn dich über dath Thofa. Ich will dich thtothen. Jetht. Thpreith deine Beine. Loth du thüthe Thlampe." „Jaaaa…du Hengst. Für dich mach ich alles. Du bist der Geilste." Eine Hausfrau warf einen misstrauischen Blick herüber. Warteschleife. Corinna ging im Geiste noch mal das Rezept durch. Hackfleisch fehlte noch. Und Zwiebeln. Nein. Die hatte sie noch daheim. Kurz vor der Fleischtheke erlöste sie Fickmonster aus der Schleife. „Stoss mich! Jetzt! Tiefer! Fester! Ich will Dich! Ich will nur Dich!" Das kleinlaute „Thantall, ich thprithe Dir..." würgte sie wieder durch einen Knopfdruck ab, weil die Fleischereifachverkäuferin sie fragend ansah.
„Halbes Kilo Gemischtes und zweihundert Serrano. Aber dünn geschnitten."
Ab in die Putzmittelabteilung. Ficki wieder freigeschaltet. „Sooo, ich hab nur schnell die Dildos geholt. Naaaa? Bist Du noch geil? Oder ist mein Lieblingsmonster etwa schon gekommen?" fragte sie lächelnd während sie Meister Proper und den General preislich verglich. Sie entschied sich für die Zitronenfrische des Skinheads und warf die Flasche in den Wagen. Irgendwie war das doch alles krank. Wie bescheuert mussten diese Amöben sein, um ihr Geld in solch ein Abrippen zu stecken?!
„Nein. Ich will mit dir thuthammen kommen. Du tholltht mit mir gleichtheitig abthprithen." In diesem Moment hasste sie ihren Nebenjob.
„Hör zu, Fickmonster. Warum suchst du dir nicht eine nette Freundin und..." „Nein! Ich will dich. Dich thu hören, dir nah thu thein...dath itht alleth, wath ich will. Ich will dich thpüren!" Ein ungemütliches Gefühl machte sich in Corinna bemerkbar.
„Schatz…also…äh…glaub doch nicht alles was dir…"
„Neeeiiiin!" schrie er ihr aus dem Hörer entgegen. Ein Klicken verriet ihr, dass Fickmonster aufgelegt hatte. Aus dem ungemütlichen Gefühl wurde Angst. Wieder auf dem Parkplatz angelangt, fühlte sie Blicke wie Nadelstiche in ihrem Rücken. Plötzlich wusste sie, dass er da war.
„Thantall, du bitht dath Thuperweib für mich. Du wirth keinen anderen mehr heith machen." Corinna drehte sich in die Richtung, aus der das Flüstern kam und stand einem sehr elegant gekleideten Mann gegenüber. In der einen Hand hielt er sein Handy und in der Anderen ein Messer.
Ihre letzten Gedanken waren, wie er wohl in Wirklichkeit hiesse, wie er sie gefunden hat und dass es lausig wäre, auf einem lausigen Parkplatz ein lausiges Leben zu beenden.
„Thie hat ja gar keine thwarthe Wäthe an”, flüsterte er enttäuscht, als er die Klinge wieder herauszog.
* * * * *
Der Tisch
Endlich hatte sich mein Traum erfüllt. Ich hatte eine Wohnung gefunden, die genau meinen Vorstellungen entsprach: Super Schnitt, Lage total ok, sogar mit Terrasse, kleinem Garten und auch noch bezahlbar. Ich Glückskind! Dank meiner Kumpels ging der Umzug problemlos über die Bühne. Da stand ich nun, abends, nachdem der letzte Helfer gegangen war, fix und fertig, aber überglücklich, zwischen Kartons, Kleidersäcken, Pizzaschachteln vom Umzugsessen und vielen, vielen Ideen für mein neues Reich. Ich fischte aus der Kiste mit der Aufschrift „Krimskrams“ eine dicke Kerze, schnappte mir einen Stuhl und setzte mich auf die Terrasse. Im Kerzenschein tanzte der Schatten des Himbeerstrauchs. Es gab doch tatsächlich einen Himbeerstrauch in meinem Garten! Meine Gedanken wanderten zurück zu Werner. Die Trennung verlief ruhig und harmonisch. Man wünschte sich Glück und versicherte sich gegenseitig, sich bald mal auf ein Bier zu treffen. Wissend, dass man es bleiben lassen würde.
„Scheiße! Verschlafen!“ schoss es mir durch den Kopf, als ich von unvertrauten Geräuschen geweckt wurde. Es dauerte einige Sekunden, bis ich realisierte, dass ich auf der Matratze auf dem Boden meiner neuen Wohnung lag und ich eine Woche frei genommen hatte für den Umzug. Fein. Die Sonne schien, im Bad stand der mit „Bad“ gekennzeichnete Umzugskarton und in der Küche der mit „Kaffee – WICHTIG!“. Erst mal die Espressokanne aufstellen. Gasherd. Ich liebe es, mit Gas zu kochen. Während das Wasser langsam durch die Kanne nach oben sprotzelte, um als schwarzbraunes Lebenselixier meinen Tag in einen Guten zu verwandeln, weihte ich die Duschkabine ein.
Ich genoss das Gefühl des feuchten Rasens, als ich barfuß, ein schnell herausgezupftes Kleidl übergezogen, in einer Hand die Kaffetasse, in der Anderen eine Zigarette, durch meinen kleinen Garten schlenderte. Tomaten. Ich will Tomaten anpflanzen. Das „Dingdong“ meiner neuen Klingel erinnerte mich an die Verabredung mit Klaus, meinem „Heimwerkerkingkumpel“. Wir schafften allerhand an dem Tag. Er baute auf, ich räumte ein.
„Oh-oh Mel! Ein Umzugsopfer gibt es: Deinen Esstisch.“ Ein Riss verlief quer durch die Holzplatte. „Aber kann man da nicht irgendwie…?“ „Vergiss es Melanie, der Tisch ist hin.“ Egal. Neue Wohnung – neuer Tisch. Tabula rasa sozusagen. Am Abend sah alles schon ziemlich wohnlich aus.
Meine Freundin Gabriella brachte Brot und Salz an ihrem ersten Besuch in meinem neuen Heim mit. Sie war ebenso begeistert wie ich über die Lage, die Raumaufteilung und den Garten. „Hast du auf de Tische getanzt? Isch kann die Kapuut mitnehme und in die Kamine verbrenne.“ sagte sie in ihrem bezaubernden Akzent. „Ach, das war Schicksal. Der Tisch musste einfach zerbrechen. Zu viele Sorgen wurden an ihm besprochen. Zu viel Streit musste er anhören.“
„Mel, isch kenne eine gigantise Möbelmannschweißer. Lass dir make Tisch aus Eisen. Sieht supercool ausse. Hier hast du Nummer.“ Sie legte eine Visitenkarte auf mein Knie, küsste mich sizilianisch freundschaftlich links und rechts, schnappte den Holztisch und weg war sie.
>Möbel zum Weitervererben< stand auf der Karte. Darunter nur der Vorname und die Telefonnummer. Daneben das Foto eines Thrones. Was soll ich damit? Ich will doch keinen Tisch für eine Burg!
Die finalen Dekoarbeiten füllten meine Tage aus. Ich war happy. Nur das Essen auf den Knien ging mir langsam auf die Nerven. Ich brauchte schleunigst einen Tisch. Aber ich wollte etwas Besonderes. Nichts X-beliebiges aus einem Möbelhaus mit Hip-Hop-Sound. Ich kramte die Visitenkarte wieder hervor und beschloss, einfach mal anzurufen.
Ich ließ es sehr lange klingeln. Als ich schon auflegen wollte, meldete sich eine ruppige Stimme mit „Wer stört?“. Einigermaßen verblüfft stammelte ich meinen Namen und den Grund meines Anrufes. „Ich mach keine Normalomöbel. Geh doch zu Karstadt oder Gallery M!“ Wütend knallte ich den Hörer auf die Station und zerriss die Visitenkarte in kleine Schnipsel. So ein Arsch. Das hätte er auch freundlicher sagen können!
Abends machte ich es mir wieder auf der Terrasse gemütlich. Ein Frühstücksbrett mit kleinen Häppchen auf den Knien, fiel mir der unverschämte Typ wieder ein. Pah – Normalomöbel! Woher nahm sich der Kerl das Recht, meinen Einrichtungsgeschmack zu beurteilen? Vom Rotwein ermutigt, beschloss ich, noch einmal anzurufen. Nur hatte ich die Visitenkarte leider unbrauchbar gemacht. Für das nächste Mal nahm ich mir Zerknüllen vor. Fast so dramatisch, aber reversibel. Aber da fiel mir die im Telefon gespeicherte Liste der geführten Anrufe ein und ich ging sie durch, bis ich seine Nummer auf dem Display hatte. Ich drückte auf Wiederwahl und bekam nach dreimaligem Klingeln Anschluß. „Was gibt es?“ „Hör zu, Du Eingebildeter…ok, sorry, ich bins. Die mit dem Tisch. Ich will keinen Normalotisch. Ich will einen Tisch, der mit mir mein neues Leben anfängt!“
„Melanie?“ „Ja verdammt.“ Stille.
„Es tut mir leid, dass ich so unfreundlich war. Ich hatte nur gerade…egal, also du willst einen Tisch. Keinen aus dem Möbelhaus. Von mir gefertigt. Weißt du, ich baue Unikate. Spezielle Möbel für spezielle Menschen.“ „Auf deiner Karte war ein Stuhl. Sah aus wie für einen Ritter gemacht.“ Er lachte leise. „Hmm, welche Vorstellung hast du von deinem >neuen Leben<? Das ging mir dann doch zu weit. Ich wusste es doch selbst nicht. Ich hatte nur eine Ahnung von dem, was ich nicht mehr wollte. Wie und warum sollte ich das mit einem Wildfremden besprechen? „Ok, wenn du magst, komm morgen Nachmittag vorbei und mach dir selbst ein Bild von meinen Arbeiten.“ Er nannte mir seine Adresse und wir verabredeten uns.
. . .
Die angegebene Adresse lag etwas außerhalb. Ich musste zwei Mal nach dem Weg fragen. „Der verrückte Schweißer? Ja. Gradaus und an der großen Linde rechts ab. Da kommens genau hin.“
Es sah aus wie ein kleines Hexenhäusel. Die Tür stand weit offen. Auf mein „Hallo“ hin öffnete sich ein Auge des großen roten Katers vor der Türe. Keine Antwort. Ich sah mich im Garten um. Wildwuchs. Schöne Blumen. In der Mitte ein Brunnen, von Sukkulenten umrahmt. Da hörte ich ein zischendes Geräusch. Mein Gehör führte mich um das Haus herum. Vorbei an unzähligen Tomatenstauden mit prallen, sonnengereiften Früchten, die die Zweige gnadenlos nach unten zogen. Ich konnte nicht anders. Ich musste eine Tomate pflücken und biss genussvoll hinein, als ich um die Hausecke bog. Da war also seine Werkstatt. Kauend sah ich mich um. In der Ecke stoben Funken wie die eines gewaltigen Sternwerfers. Davor eine Gestalt in blauer Latzhose und Sichtschutz vor den Augen. Ich nahm den Geruch von geschmolzenem, bearbeitetem Metall wahr. „Hallo?“ Das Bitzeln stoppte und der Mann drehte sich zu mir um. „Melanie?“ „Mel, wenn es dir nichts ausmacht.“ Er kam auf mich zu, stoppte ganz nah vor mir und fing an zu lächeln. „Was ist so lustig?“ Er hob seine Hand, berührte meinen Mundwinkel, leckte seinen Finger ab und meinte lakonisch: „Tomatendiebin! Ich bin Maurice. Du willst also einen Tisch. Wozu soll er dienen?“ Wozu soll er dienen? Verdattert stammelte ich „Na, zum Essen. Zum Schreiben. Zum Klönen.“. „Was hat Essen, Schreiben und Klönen mit deinem neuen Leben zu tun?“
Seine Augen fixierten mich gnadenlos.
Ich spürte die Röte über meine Wangen aufsteigen. „Hör zu, ich möchte einfach einen Tisch, der genau für mich gemacht ist.“ Er nahm meine Hand und führte mich in den hinteren Teil seiner Werkstatt. Was ich dort sah, war überwältigend. Stühle, Tische, Regale, alles aus dicken Eisenketten zusammengeschweißt. Die Möbel hatten die verrücktesten Formen. Ein Stuhl schien aus einem riesigen Metalldrachen gewachsen zu sein. Mit einer einladenden Handbewegung forderte er mich auf, auf ihm Platz zu nehmen. Das warme Holz der Sitzfläche bildete einen interessanten Kontrast zu den bizarren Armlehnen aus kaltem Eisen. Ich fühlte mich wohl und unwohl zugleich. Es war seine Anwesenheit, die mich nervös machte. Diese Augen, die mich fixierten. Er schien meine innersten Gedanken zu erraten. Der Kerl gefiel mir. Mehr als mir lieb war. Panik breitete sich in mir aus. Ich wollte kein Interesse für einen Mann entwickeln. Ich stammelte etwas von einem dringenden Termin, den ich vergessen hatte und verließ fluchtartig die Werkstatt und den Hof. Nur weg. Ich wollte keinen Mann in meinem neuen Leben.
Obwohl – meine Neugier war geweckt.
. . .
Während der Heimfahrt versuchte ich mich durch Singen von Johnny Cash-Songs abzulenken. Ghostriders in the sky. Aber immer wieder tauchten Bilder dieses unverschämt gutaussehenden Mannes auf. Maurice… ich liess mir diesen Namen auf der Zunge zergehen.
Endlich daheim, schob ich eine Techno-CD in den Player und putzte sinnlos saubere Flächen. Brotzeit auf den Knien. Vom Bett aus liess ich mich von CSI New York berieseln, bevor ich einschlief. Während ich in unruhige Träume hinüberglitt, tauchten in mir wieder und wieder diese Möbel auf. Es war Kunst. Ich sah mich nackt auf diesem Thron. Die Beine weit geöffnet. Er stand lächelnd vor mir. Ich hatte seinen Geruch noch im Empfinden. Eine Mischung aus heißem Metall und Schweiß. Wohlige Wärme empfing mich. Plötzlich tauchte meine Mutter auf. Sie brachte mir meinen Lieblingskuchen. Warum wunderte sie sich nicht darüber, dass ihre Tochter nackt auf einem Stuhl saß? Lächelnd stellte sie den Kuchen zwischen meinen Schenkeln auf dem freien Dreieck ab. Mein Schluchzen ignorierend, wandte sie sich Maurice zu: „Du bist ein guter Junge. Pass auf mein Kind auf!“ Und weg war sie. Sein Gesicht erschien nah an meinem. „Tomatendiebin! Ich werde Dir zeigen, was ich mit Tomatendieben mache!“ Blitzschnell griff er an meine Brust. Ich war bewegungsunfähig und konnte mich nicht wehren. Aber ich wollte es auch gar nicht. Er beugte sich zu mir herab und küsste mich. Ich hörte noch sein Lachen und die Traumfetzen lösten sich auf. Szenenwechsel. Ich war auf einer Wiese und Werner stand mir gegenüber. Seine Gesichtszüge waren hässlich. Er fing an, mich zu schubsen. Erst wich ich aus, versuchte dann, den Halt nicht zu verlieren. Keith Richards schwebte vorbei und sang: „I´m loosing the Grip.“ Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich packte, mit großartigen Kräften ausgestattet, Werners Kehle. „Hör mir gut zu, du Windwurm. Warum kriechst du nicht einfach unter den Stein zurück, unter dem du rausgekrochen bist? Ich hab deinen Kleingeist so satt!“ Dann war ich plötzlich Kind und baute eine Bude aus Stöcken im Wald hinter dem Haus meiner Großeltern. Ein Reh kam vorbei und bewunderte meine Hütte. Das Reh verwandelte sich in Maurice, nahm mich an der Hand und führte mich in seine Werkstatt zurück. Dort angelangt, wunderte ich mich über gar nichts mehr. Ich war kein Kind mehr, sondern eine Frau. Eine Frau mit ausgeprägten Lustgefühlen. Ich liess mich bereitwillig von ihm auf meinen neuen Tisch legen. Er sah mir die ganze Zeit in die Augen und beobachtete meine Unruhe. Meine Angst. Und die aufkeimende Lust. Er küsste mich. Es war der unglaublichste Kuss, den ich je erlebt habe. Plötzlich war er weg und liess mich in der Dunkelheit alleine. Ich hatte Angst und ich fror. Dann war ich plötzlich in einem Bett. Eine Art Halbkugel, die an der halbrunden Decke befestigt war und somit einen Kreis bildete. Maurice umarmte mich und ich fühlte mich wohl und geborgen. Ganz behutsam kuschelte er sich an mich. Ich roch diesen speziellen Duft von Werkstatt und Schweiß. Ich schlang meine Beine um ihn und drängte mich ganz eng an ihn. Er fing an, mich zu streicheln, aber dann war ich plötzlich auf einer Wolke. Ganz alleine. Die Wolke löste sich auf und ich fiel und fiel. Ich wollte schreien, aber kein Laut kam aus meiner Kehle.
Schweißgebadet wachte ich auf. Nässe auf meinem Bauch und zwischen meinen Schenkeln spürend.
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Ich überliess es der Dusche, die Spuren meiner Träume zu entfernen. Langsam wieder in die Realität einzutauchen. Schön eincremen und Zähne putzen. Als ich gerade gemütlich am Pinkeln war, klingelte das Telefon. „Wie stellst du dir deinen Tisch vor?“ „Maurice?“ „Wer sonst? Oder hast du mehrere Tische in Auftrag?“ Er lachte. Ich mochte sein Lachen. „Also, er sollte für mindestens sechs Personen zum Essen geeignet sein. Er soll stabil sein und auch einen eventuellen Umzug überstehen. Ich möchte das Gestell aus Eisen, grob geschliffen, lasiert und eine Glasplatte darauf.“ „Komm doch heute noch mal vorbei und wir machen erst mal eine Skizze. Um drei Uhr, ok?“
Der fette rote Kater lag breitbeinig auf dem Weg zur Werkstatt. Dass ich über ihn hinweg stieg, quittierte er nur mit einem Ohrenzucken. Ein sehr relaxtes Tier. Ich fand Maurice am Schreibtisch. Er skizzierte ein neues Regal. Es war eine Mischung zwischen Mittelalter und Moderne. Sein Lächeln war bezaubernd, als er sich zu mir umdrehte. „Mel, schön, dass du da bist. Also. Wie soll dein Tisch nun aussehen?“ Er stand auf und sein Geruch machte mich wieder nervös. Aber er konnte ja nichts von meinem Traum wissen. Oder?
„Was war das mit deinem neuen Leben? Wie sah dein altes Leben aus?“ Sein Blick schien mir punktgenau in meine Seele zu blitzen und ich fing einfach an, zu erzählen. Dass mir das oberflächliche Einerlei zum Hals raus hinge. Dass mich kein Mensch bislang erkannte. Dass ich mich ja selbst nicht erkannte. Dass ich verunsichert sei. Dass mich eine Sehnsucht treibt, von deren Ursprung ich nichts wissen würde.
Sein Blick war so intensiv. So nah. Ohne ein weiteres Wort küsste er mich wie in meinem Traum. Ich vergaß Zeit und Raum. Dieser Kuss war so vollendet. So unendlich. Ich lachte und gleichzeitig flossen die Tränen. Ich fühlte mich so angekommen wie nie zuvor im Leben. Seine Hand wanderte zu meinem Hintern und streichelte ihn sanft durch den dünnen Stoff meines Kleides.
Er liess seine Finger zärtlich über meine Tränen gleiten. Es pochte in mir. Ganz sanft strich er meine Tränen fort. Er sah mir tief in die Augen, löste sich von mir und flüsterte: „Genug für heute. Keine Angst, ich lasse Dich nicht hier im Dunklen stehen wie in deinem Traum. Du wirst wieder kommen. Ich weiß es!“
Woher zum Teufel kannte er meine Träume?
. . .
Ein Vogel pfiff einfach anders als die Anderen. Ich öffnete die Augen und horchte angestrengt. Neben dem Zizibäh der Kohlmeisen, dem Amselgesang und dem verhassten Taubengurren drang eine Melodie an mein Ohr. My fathers eyes. Eric Clapton. Wie zum Teufel konnte ein Vogel… ich sprang aus dem Bett, zog mir meinen Morgenmantel über, öffnete die Terrassentür und sah Maurice. Er saß auf dem Stuhl, rauchte eine Zigarette und pfiff “My fathers eyes“.
„Guten Morgen. Hast Du gut geschlafen?“ Sein Lächeln war entwaffnend. „Kann ich einen Kaffee haben? Ich bin süchtig nach dem Zeug.“
Wortlos drehte ich mich um, lud die Espressokanne und schob Pilgrim von Clapton in den Player. Bis der Espresso durch war verschwand ich kurz im Badezimmer. Katzenwäsche. Zähne putzen. Haare kämmen.
„Verdammt, was machst du hier? Woher zum Henker weißt du, wo ich wohne?“ Ich war mir nicht sicher, ob mein Ärger gut genug gespielt war. Ich hielt ihm die Tasse hin und setzte mich auf den Baumstumpf, der mir als provisorischer Terrassentisch diente. „Der dicke rote Kater hat es mir verraten. Der weiß alles!“ Da konnte ich das glucksende Lachen nicht mehr unterdrücken.
Langsam stand er auf und schlenderte zum Himbeerstrauch. Er pflückte eine Dunkelrote. „Schau. Sie sieht so gut aus. Rot und prall. Wenn du sie isst, schmeckst du die Süße. Aber du weißt nicht, ob sich nicht ein kleiner Wurm drin versteckt. Aber wenn du sie aus Angst vor dem Wurm nicht isst, wirst du nie erfahren, wie süß eine Himbeere sein kann! Wovor hast du Angst? Dir eingestehen zu müssen, dass du dich nach Liebe sehnst? Dass nicht alle Männer schlechte Kerle sind? Dass sich jemand voll und ganz auf dich einlassen könnte? Willst du dein Leben lang auf der sicheren Seite sein? Verzichten? Auf die Süße verzichten wie auf die Ungewissheit? Zeig her, ich will sehen, wo der Tisch hin soll.“ Lächelnd steckte er sich die Himbeere in den Mund und schlenderte durch die Terrassentür.
Er sah sich im Zimmer um, strich mit der Hand über eine Skulptur, hob ein paar CD´s auf und begutachtete einen von mir gelöteten Spiegel.
„Hier.“ Er drehte sich zu mir um und hob fragend eine Augenbraue. „Genau hier soll er stehen.“ Mein kleiner Hüpfer war mir schon peinlich, bevor ich den Boden wieder berührt hatte. Maurice lächelte, nahm mein Gesicht in die Hände küsste mich leicht auf den Mund. „Da drüben wäre besser! Sieh mal. Wenn er dort drüben steht, gegenüber des Torbogens zu deinem Schlafzimmer, könnte ich dich vom Bett und auch vom Sofa aus betrachten, wenn du am Tisch sitzt – oder auf ihm liegst. Und man könnte besser um den Tisch herumgehen, ohne ständig die Pflanzen anzustossen. Das mögen Pflanzen nämlich nicht. Übrigens empfehle ich dir eine Tischplatte aus Holz. Eine Glasplatte ist zu kalt. Sowohl für deine Arme wenn du am Tisch isst oder arbeitest, als auch für deinen süßen Arsch, wenn du darauf liegst.“
Da war es wieder. Dieses Herzklopfen Ich sah mich auf dem Tisch liegen. Arme und Beine weit von mir gestreckt. Er stand am schmalen Ende und sah mir genau zwischen meine Beine. „Ja genau. Und dann werde ich dich mit einer Feder streicheln.“ „Was? Was meinst du? Woher… ich meine, verdammt…“ „Keine Angst. Ich bin kein Hellseher. Man sieht dir deine Gedanken einfach an. Deine Augen glänzen. Dein Mund wird weicher.“
Diesmal nahm ich ihn bei der Hand. Ich liess den Morgenmantel fallen, kuschelte mich in die Restwärme des Bettes und wartete auf ihn.
. . .
Ich streckte mich wohlig aus unter seinen Berührungen. Ganz zart strich seine Hand seitlich die Kurve meines Körpers entlang. Ich spürte, wie sich meine Poren zur Gänsehaut zusammenzogen. Seine Hand umschloss meine Brust und er ließ seine Zunge über die Knospe wandern. „Du bist so zärtlich… ich dachte…“ „Du dachtest, ich bin ein wilder Lüstling? Weil ich Metall verarbeite bin ich ein ganz Harter? Es törnt mich an, deine Lust zu wecken. Ob durch Zärtlichkeit, Dominanz, durch den Blick in deine Seele… du törnst mich an. Weil du fähig bist zu empfinden ohne darüber nachzudenken. Weil du dich mir und deinem Gefühl ganz hingeben kannst. Weil ich die Lust in deinen Augen beobachten kann. Weil sie deinen Körper zittern lässt und feine Schweißperlen auf deinen Bauch zaubert.“
Ich schmiegte mich an ihn und spürte die Wärme und Stärke seines Körpers. Seine Hand erkundete die Rundungen meines Pos. Ich schnurrte leise und genoss die sanfte Hitze, die sich in mir verbreitete. Meine Schenkel öffneten sich und er verstand die Geste. Diese Berührungen. Er umspielte meinen Körper. Streifte über meine Gänsehaut. Ich drängte mich seiner Hand entgegen. „Melanie. Sei nicht so ungeduldig! Ich werde dir eine Lektion in Geduld erteilen.“ Seine kräftige Hand umschloss meine Handgelenke, zog sie weit über meinen Kopf. „Ich werde dich nun fesseln. Nicht mit Seilen, Haken oder Ledermanschetten. Du wirst deine Arme genau so liegen lassen. Du wirst diese unsichtbaren Fesseln akzeptieren!“
Er küsste meine Augen zu. Langsam wanderte seine Zunge über meinen Hals. Es kitzelte. Kleine Küsse trafen meine Brüste. Plötzlich biss er leicht in eine Brustwarze. Ich bäumte mich auf und spreizte die Beine etwas weiter. „Schhhhh….bleib ruhig.“ Ich spürte seine langen Locken, die seidig über meinen Bauch strichen. Er pustete leicht über meine Brüste.
Was folgte, war Liebe. Die Liebe des Körpers und die der Seele.
Claptons „River of tears“ drang zu mir vor. Mein „River“ bestand nicht aus Tränen…
. . .
Wir kuschelten uns glücklich wie die Löffelchen aneinander und genossen die Nähe. War ich verliebt? Nein. Das ist nicht möglich nach so kurzer Zeit. Oder doch? Er interessierte mich. Erregte mich. Ich fand ihn witzig, anziehend und unglaublich sexy. Aber verliebt? Ich schob den Gedanken beiseite und genoss seine Hand auf meiner Brust. Kein noch so dünnes Blatt hätte zwischen meinem Rücken und seinem Bauch Platz gefunden. War es eine Stunde? Mehrere? Ich hatte kein Zeitgefühl mehr. Irgendwann wachte ich durch einen kleinen Kuss auf meinem Ohr auf.
„Mel, ich mag dich sehr. Da ist eine Anziehungskraft zwischen uns, ich kann sie nicht beschreiben. Klar hat es auch mit Lust zu tun. Aber du interessierst mich einfach. Ständig erwische ich mich dabei, bei der Arbeit die Gedanken zu dir schweifen zu lassen. Ich bin eingefleischter Single. Aber ich frage mich oft, was du wohl gerne isst. Wie du als Kind warst. Wovon du träumst. Manchmal schließe ich die Augen in der Werkstatt und spüre deine zarte Haut. Du bringst mich zum Lachen und zum Nachdenken. Ich wünsche mir dass es dir gut geht. Ich möchte dich glücklich sehen. Verdammt. Ich möchte dich glücklich machen!“
„Schhhh…hör auf. Lass uns geniessen, was wir fühlen. Und nicht darüber nachdenken, ja? Für mich kommt eine Beziehung nicht in Frage. Ich bin gerade aus einer geflüchtet. Auch wenn sie eigentlich schon seit Jahren vorbei war. Legst Du eine CD ein? Ich hab Hunger. Ich mach uns Frühstück.“
Tom Petty war genau das, was zu unserer Stimmung passte. Ich liess Badewasser ein und überlegte, wie wir in der Wanne frühstücken könnten. Lächelnd schob er ein übriggebliebenes Regalbrett über den Badewannenrand in die Mitte. Ich mochte es, wie praktisch er veranlagt war. Wir kicherten, fütterten uns gegenseitig, ich las ihm meine Lieblingsstellen aus „Die Bibel nach Biff“ vor und ich musste mir eingestehen, dass ich lange nicht so gelöst und zufrieden war.
„Lass uns zum botanischen Garten fahren! Da ist eine Schmetterlingsausstellung!“ Er brummte zustimmend, während er mich abtrocknete. „Ok, lass uns gehen. Wundert mich gar nicht, dass Du Schmetterlinge magst. Bist ja selber einer.“ Er küsste meine Nasenspitze. In seinem Auto herrschte ein charmantes Chaos. Um meine Füße klimperten unzählige leere Red Bull–Dosen, Post-it´s bedeckten das Armaturenbrett und CD´s lagen umher.
Fasziniert beobachteten wir die Abermillionen leuchtenden Schmetterlinge und fühlten uns wie in einer anderen Welt. Das Geräusch ihrer Flügel war mit keinem anderen vergleichbar. Es war wie ein sehr zartes Flüstern. Und wir standen mittendrin und konnten nicht aufhören, zu lächeln.
In den nächsten Wochen trafen wir uns nur selten. Maurice hatte einen größeren Auftrag zu erledigen und kam anscheinend selten dazu, an meinem Tisch weiterzuarbeiten. Sobald ich eine leise Sehnsucht nach ihm verspürte, versuchte ich mich davon abzulenken. Ich ging viel aus, traf meine Freundinnen und fing wieder an zu schreiben.
Als ich im Garten werkelte, klingelte das Telefon. „Mel, kannst Du herkommen? Ich habe eine Überraschung für Dich!“ Es war schön, seine Stimme zu hören. Auf der Fahrt ärgerte ich mich, dass ich mich nicht umgezogen hatte. Ich hatte Grasflecken auf der Jeans und meine erdverschmierten Hände am Shirt abgewischt.
Der Tisch. Bestimmt war der Tisch fertig. Ich drehte die Musik lauter und sang lauthals mit.
„Süß siehst du aus.“ Er nahm meinen Kopf in die Hände und wir küssten uns mit sehr viel Gefühl und Leidenschaft. „Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr du mir gefehlt hast. Komm, ich zeig dir was.“ Aber anstatt zur Werkstätte zu gehen führte er mich in sein Haus. Mitten im Wohnzimmer stand er. Mein Tisch. Er war unglaublich schön. Das dunkle Holz der dicken Tischplatte schimmerte im Sonnenlicht.
„Warum steht er hier? Kannst du ihn mir nicht liefern?“
„Melanie. Er steht da wo er hingehört. Wo Du auch hingehörst. Zu mir. Deinen Umzug erledigen wir am Wochenende.“
Mit einem Lächeln legte er drei pralle Tomaten auf unseren Tisch.
* * * * *
Anonym
1. Kapitel
„Na, Schönheit? Was macht das Leben? Alles rosé?“ Ich hatte Samy, den Hausmeister, erst nicht bemerkt, als ich tütenbepackt versuchte, den Briefkasten zu öffnen, ohne etwas fallen zu lassen.
Plumps. Zwiebeln kullerten über den Boden.
„Hi Samy. Klar. Alles knusprig. Geht es Deiner Tochter besser?“
„Na ja, Liebeskummer vergeht auch wieder.“ meinte er augenzwinkernd, als er die Zwiebeln zurück in die Tüte packte.
Ich schnappte meine Post, warf ihm einen Luftkuss zu und stapfte die Treppen hoch. Acht Katzenpfoten schlichen sofort um meine Beine, als ich die Wohnungstüre aufsperrte. „Hallo, da bist ja wieder. Hunger! Machst du gleich die Katzenklos sauber? Nein! Ich will erst schmusen! Schnauze – ich hab soooonen Hunger!“ interpretierte ich in das Gemaunze von Paula und Lilly hinein.
Tüten abstellen, Fenster aufreissen um Luft und Sonne reinzulassen, Schmuseeinheiten für beide in Kurzform, Raubtierfütterung, Katzentoiletten aufrüschen, kaltes Bier aus dem Kühlschrank holen, aufs Sofa und die Post durchsehen.
Zwischen dem üblichen Postkram fiel mir ein Briefumschlag in Orange auf. Ohne Absender. Ohne Briefmarke. In Großbuchstaben stand „ÖFFNE IHN ODER WIRF IHN WEG“ auf der Vorderseite.
Natürlich siegte die Neugier. „Du kennst mich nicht. Ich Dich schon ein Wenig, da ich Dich beobachte. Täglich forsche ich im Vorbeigehen auf Deinem Weg zur Bahn in Deinem Gesicht nach Deiner Befindlichkeit. Ich möchte Dir ein Spiel vorschlagen. Ich weiß, es wird Dich ebenso erregen wie mich. Willige ein, indem Du heute Nacht um Ein Uhr nackt auf Deinem Balkon stehst. Zünde die Fackeln an. Falls nicht, wirst Du nie wieder von mir hören. Das ist der Deal.“
Ich las die Zeilen wieder und wieder. Was für ein Spinner! Wer konnte das sein? Samy? Nein. Der wohnte ja nicht hier. Er muss in irgend einem Haus leben, welches seine Rückseite meinem Schwabinger Hinterhof zugewandt hatte. Sonst könnte er ja nicht sehen, ob ich durch mein Handeln einwilligte. Und er wusste, dass ich Fackeln auf dem Balkon habe.
Trotzig warf ich den bescheuerten Brief in die Altpapierkiste, verstaute meine Einkäufe und checkte meine Mails. Aber die Gedanken schlichen sich immer wieder zu dem Brief. Ich mag Orange. Es macht mich fröhlich. Es ist die vorherrschende Farbe in meiner Wohnung.
Viertel vor Eins. Ich schlich um die Kiste, fischte den Brief heraus und las ihn immer wieder. Ein Spiel. Ein Erregendes Spiel. Ich merkte, dass es längst begonnen hatte und zog mich aus. Die Fackeln warfen Licht und Schatten auf meinen nackten Körper. Mein Herz raste, als ich auf dem Balkon stand. Punkt Ein Uhr. Sieht er mich jetzt? Sieht mich auch die gesamte Nachbarschaft? Aber beide Gedanken erregten mich auf unerklärliche Weise. Der kühle Nachtwind zauberte Gänsehaut und harte Knospen auf meinen Körper. Die Minuten tropften dahin wie kalter Honig.
Das Schrillen des Telefons ließ mich zusammenfahren. Ich schlüpfte zurück in die Wohnung und nahm ab. Bevor ich mich melden konnte, hörte ich ein Flüstern: „Ich wusste, Du würdest meine Einladung annehmen. Du bist sehr schön. Und folgsam. Du wirst weitere Instruktionen erhalten. Lege Dich nun auf Dein Bett und gib Dich Deiner Lust hin. Ich habe sie in Deinen Augen erkannt. Lass die Balkontüre offen, die Vorhänge zurückgezogen und das Licht an.“ Klick.
Ich legte mich auf mein Bett und berührte mich. Die harten Knospen. Die geschwollenen Schamlippen. Ich war unglaublich nass zwischen den Schenkeln. Der Gedanke, dass er mich dabei beobachtete, machte mich an. Ich starrte in die Schwärze der Nacht und wusste - spürte - dass er mich beobachtete. Meine Finger glitten unaufhörlich über meine Klitoris bis ein Orgasmus anrollte. Zuckend und keuchend, die Beine weit gespreizt, lag ich da. Ihm mich präsentierend. Ich schickte einen liebevollen Blick in die Dunkelheit, bevor ich das Licht löschte. Danke für das Spiel.
Lilly und Paula lümmelten sich zu mir und ihr Schnurren sagte mir: „Du bist einfach eine geile Katze!“
... Mai 2007 • Alle Rechte liegen bei Christine Sturm. Nachdruck nur mit Genehmigung der Autorin. Mailkontakt: christinesturm@webfreunde.net
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